Die gemeinnützige Geers-Stiftung fördert eigentlich Vorhaben, die dem Wohle der Hörbehinderten dienen. Nun hat sie ein bundesweites Lärm-Ranking vorgelegt. Das Ranking hat nicht nur in Leipzig für viel Verwirrung gesorgt, läge die Kommune doch angeblich auf Platz 3 der leisesten Städte Deutschlands. Über dieses positive Abschneiden wundern sich nicht nur die Anwohner an Leipzigs Magistralen, dem Güterring der Deutschen Bahn oder den Einflugschneisen des Flughafens, auch der Ökolöwe fordert eine Klarstellung.
„Die Studie der Geers-Stiftung zeichnet ein schiefes Bild.“, sagt Tino Supplies, ver-
kehrspolitischer Sprecher des Leipziger Umweltschutzvereins. „Sie betrachtet lediglich,
wie groß die verlärmte Fläche ist. Ob dort Leute wohnen oder nicht, spielt dabei keine
Rolle.“ Hannover wird in der Studie auch deshalb als lauteste Stadt Deutschlands ge-
führt, weil dort viele Kilometer Autobahn im Stadtgebiet liegen, an denen aber niemand
wohnt. In Leipzig ist die A38 hingegen in der Lärmkarte noch nicht einmal existent.
Das Kriterium für eine 'laute' bzw. 'leise' Stadt sollte stattdessen nicht die verlärmte
Fläche eines Ballungsraums sein, sondern die Anzahl der Betroffenen von Lärm über
60 bzw. 65 dB(A). Ab dieser Lärmschwelle sind gesundheitliche Folgen eindeutig nach-
gewiesen. Darum verpflichtet die EU-Umgebungslärmrichtlinie alle Städte, die Betrof-
fenenzahlen für ihren Ballungsraum zu ermitteln. Das sind im kartierten Bereich der
Stadt Leipzig mehr als 40.000 Menschen bei 60 dB(A) bzw. 20.000 bei 65 dB(A) allein
durch den KfZ-Verkehr. Flug- und Schienenlärm sind in den Zahlen noch nicht enthal-
ten.
Dazu kommt, dass in Leipzig, im Gegensatz zu Hannover, nicht das gesamte Stadtge-
biet kartiert wurde. Nicht in die Lärmkarte aufgenommen hat die Stadtverwaltung u.a.
Teile oder ganze Ortslagen von Lützschena, Stahmeln, Burghausen, Miltitz, Grossz-
schocher, Windorf, Knauthain, Liebertwolkwitz, Meusdorf, Holzhausen, Baalsdorf, En-
gelsdorf, Thekla, Wiederitzsch und Lindenthal. Damit schrumpft statistisch die verlärm-
te Fläche im Stadtgebiet.
Angesichts der hohen Betroffenenzahl in Leipzig ist es schlicht unseriös, sich nun un-
ter Berufung auf das Lärm-Ranking gegen die Umsetzung der Maßnahmen aus dem
Lärmaktionsplan auszusprechen, stellt der Ökolöwe klar.
Der Umweltverein fordert vielmehr die zahlreichen Hinweise und Einwände der Leipzi-
ger Bürger mit gebührendem Ernst zu behandeln. Der Lärmaktionsplan muss nach
dem Beschluss auch konsequent umgesetzt werden.
Presseinformation der Geers-Stiftung
Artikel auf BILD-online
Artikel in der Leipziger Internetzeitung