Mach’s leiser 2010/12: Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig – Intensiver Bottom-Up Prozess im Leipziger Norden

Prozessablauf Mach's leiser 1

Prozessablauf Mach's leiser 1

Das erste Bürgermitwirkungsprojekt der „Mach’s leiser“ Reihe entstand in Zusammenarbeit des Ökolöwen mit den Planungs-Büros CivixX und StadtLabor. Das für das Projekt ausgewählte Gebiet umfasst Teile von Wahren, Möckern, Gohlis, Eutritzsch und der Nordvorstadt. Dort überlagern sich Belastungen aus sämtlichen relevanten Lärmquellen.


Das Projekt startete im August 2010. Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Projektgebiet haben in der ersten Jahreshälfte Lösungsansätze für konkrete Lärmminderungsmaßnahmen erarbeitet und diese direkt mit den Stellen diskutiert, die federführend bei der späteren Umsetzung sind. Das Bürgergutachten wurde im Juli 2011 mit einer öffentlichen Präsentation des Maßnahmenkatalogs abgeschlossen. In der sogenannten Anschubphase begleitete der Ökolöwe Initiativen vor Ort bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Lärmminderung. Das erste "Mach's leiser" Projekt endete Mitte des Jahres 2012.

Nach dem Eröffnungsforum mit informativen Elementen wurde das Projektgebiet in vier Teilräume gegliedert (Möckern/ Wahren, Gohlis-Nord/ Mitte, Gohlis-Süd/ Nordvorstadt und Eutritzsch), um in vier Ortsteil-Gruppen einen intensiven Austausch zu den Problemwahrnehmungen zu ermöglichen. Nach Durchführung aller Workshops in den vier Teilräumen wurde eine thematische Sortierung der Themen vorgenommen und entsprechende Themenworkshops durchgeführt. In weiteren Workshops wurde innerhalb der Ortsteil-Gruppen weiter an den Themen gearbeitet, sodass nach mehreren Workshoprunden erste Ergebnisse in einer Auswertung festgehalten werden konnten. Im Abschlussforum wurden diese präsentiert und das weitere Vorgehen in Ausblick gestellt.

Das Bürgermitwirkungsverfahren orientierte sich an dem Modell des Bürgergutachtens. Das Bürgergutachten identifiziert ganz konkrete Belastungen durch Umgebungslärm, die durch gängige Beteiligungsformen kaum derart detailscharf zu erfassen sind. Auf dieser Grundlage werden Lösungsansätze erarbeitet, mit deren Hilfe die benannten Lärmbelastungen minimiert werden können. Ergebnis des Bürgergutachtens ist ein Maßnahmenkatalog, der sich an unterschiedliche Akteure richtet. Dazu zählen z.B. die Stadt Leipzig, die Leipziger Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bahn sowie Wohnungsbaugesellschaften und Hauseigentümer. Das Bürgergutachten reflektiert zudem die Handlungsmöglichkeiten der beteiligten Bürgerinnen und Bürger, sowohl bezüglich der eigenen Gewohnheiten als auch hinsichtlich des Hinwirkens auf die Aktivitäten anderer.

Was ist ein Bürgergutachten?
Die Methode des Bürgergutachtens dient in erster Linie dazu, einen möglichst repräsentativen Querschnitt von Bürgerinnen und Bürgern intensiv an einer bestimmten Thematik zu beteiligen. Dafür wurden per Zufall ausgewählte Anwohnerinnen und Anwohner aus Wahren, Möckern, Gohlis, Eutritzsch und der Nordvorstadt über eine persönlich adressierte, schriftliche Einladung zur Mitwirkung gebeten. Die Teilnahme erforderte keine bestimmte berufliche Qualifikation. Der Ökolöwe zählte vor allem auf die Ortskenntnis und Lebenserfahrung der Bürgerinnen und Bürger. Die Repräsentativität bei dieser Vorgehensweise ist wesentlich höher, als bei Veranstaltungen mit offener Einladung, an denen sich oftmals nur die "üblichen Verdächtigen" beteiligen.

Ablauf des Bürgergutachtens
Mit der Einladung zur Mitwirkung war eine schriftliche Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner verknüpft. Mit der Einladung zum Bürgergutachten haben wir einen Fragebogen versandt, mit dessen Hilfe Einstellungen zum Thema Umgebungslärm abgefragt wurden. Die Ergebnisse zeigten erste Orientierungspunkte und verdeutlichten einige der Handlungsschwerpunkte im Leipziger Norden: Demnach fühlten sich 25 Prozent der Befragten stark oder äußerst stark durch Lärm belästigt. Am häufigsten wurde der Straßenverkehrslärm als besonders störend empfunden, gefolgt von Fluglärm und dem Lärm von Straßenbahnen und Güterzügen.
 

Auftaktveranstaltung

Foto: Alexander Biedermann

Foto: Alexander Biedermann

Zu dieser öffentlichen Informationsveranstaltung waren die Bürgergutachterinnen und Bürgergutachter sowie alle anderen Interessierten herzlich eingeladen. Vorgestellt wurden die Grundzüge des Projektes, die zu bearbeitenden Themen, die Auswertung der schriftlichen Befragung, die Einbindung in die Lärmaktionsplanung der Stadt sowie weitere Handlungsoptionen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten Rückfragen stellen, Problempunkte benennen und diese vor Ort in eine Karte eintragen.

Zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Leipziger Norden folgten der Einladung und besuchten die „Mach's leiser“ Veranstaltung am 2. März 2011. In der Aula der Gohliser Schiller-Schule stellte Projektleiter Tino Supplies vom Ökolöwen die Idee und den geplanten Ablauf des Projekts vor. Ralf Elsässer vom Planungsbüro CivixX gab einen Einblick in die Zwischenauswertung der schriftlichen Anwohnerbefragung zum Thema Umgebungslärm. Die städtische Lärmkartierung erläuterte Johannes Dohmen vom Amt für Umweltschutz der Stadt Leipzig. Anhand von Praxisbeispielen veranschaulichte Fritjof Mothes vom StadtLabor, wie in andere Städten Lärmschutz erfolgreich umgesetzt wird.
 

Lebhafte Kritik an lautem Verkehr

Die lebendige Diskussion im Anschluss an die Vorträge zeigte vor allem eines: Verkehrslärm ist ein erhebliches Problem im Leipziger Norden, mit dem die Betroffenen sich nicht länger abfinden wollen. Viele der Anwesenden nutzten die Gelegenheit, auf ganz konkrete Lärmbelastungen in ihrem Wohnumfeld hinzuweisen.

Sternsiedlung

Gleich dreifach betroffen sei etwa die Sternsiedlung, denn Straßen-, Schienen- und Fluglärm sorgten hier für gesundheitsschädliche Schallpegel. Die Frage eines Anwohners, warum die Lärmbelastung der Sternsiedlung auf den Lärmkarten der Stadt nicht zu erkennen sei, beantwortete Johannes Dohmen vom Amt für Umweltschutz mit der Erklärung, dass die Berechnungen für die Lärmkartierung alle fünf Jahre neu erstellt werden. Während der letzten Berechnung, im Jahr 2005, war die Luise-Otto-Peters-Straße noch nicht ausgebaut. Darum, so Dohmen, habe sie nicht mit ausgewertet werden können. Die nächste Fortschreibung der Lärmkartierung erfolge im Jahr 2011. Wer sich die Leipziger Lärmkarten ansehen möchte, kann dies im Amt für Umweltschutz oder auf den Internetseiten der Stadtverwaltung tun.

Hans-Oster-Straße

Als Beispiele für besonders verlärmte Verkehrswege wurden mehrere Straßen im Leipziger Norden genannt. So beklagte eine Anwohnerin, dass Verkehrsaufkommen und Lärmbelastung in der Hans-Oster-Straße durch den Ausbau der Max-Liebermann-Straße enorm gestiegen seien. Mehrfach habe sie eine Überprüfung erbeten, geschehen sei jedoch bislang nichts. Eine ihrer Nachbarinnen ergänzte, „Unsere Schlafzimmer gehen alle zur Hans-Oster-Straße raus und auf der Rückseite haben wir die Straßenbahn.“ Bei geöffnetem Fenster sei da an Schlaf nicht zu denken. Verstärkt würde das Lärmproblem noch dadurch, dass nicht nur Autofahrer auf die Hans-Oster-Straße auswichen, sondern zusätzlich zahlreiche LKW mit überhöhter Geschwindigkeit dort entlang donnerten. Tempo 30 gelte bislang nur in den Nebenstraßen.
 

Forderung nach Tempo 30 in Wohngebieten

Kirschberg-, Möckernsche-, Berggartenstraße

Eine Anwohnerin aus Gohlis Süd griff diese Hinweise auf und stellte fest, es handele sich hier um ein verbreitetes Problem: „Die Nutzung von 'Schleichwegen' wird in Leipzig, anders als beispielsweise in Berlin, nicht unterbunden.“ Autos und LKW bretterten so mit erhöhter Geschwindigkeit durch kleinere, teils gepflasterte Straßen. Die Frustration der Anwohner sei hoch. Gegenüber der Stadtverwaltung habe man das Thema bereits mehrfach vorgebracht. Doch immer wieder seien Vorschläge wie das Einrichten von Tempo-30-Zonen abgelehnt worden.

Stahmelner Straße

Bei vielen der Anwesenden fand dieses Anliegen dagegen offene Ohren. Ein Anwohner aus Wahren forderte, das Gebiet südlich der Georg-Schumann-Straße komplett zur Wohngebiets-Tempo-30-Zone zu machen. Der Verkehrslärm dort belaste die Menschen sehr. Als besonders problematisch schilderte er die Situation entlang der Stahmelner Straße. Die Geschwindigkeit des Straßenverkehrs sei viel zu hoch und es gebe weder einen Rad- noch einen Fußweg.

Die Forderung nach großräumigen Tempo-30-Zonen, unter anderem im Wohngebiet südlich der Georg-Schumann-Straße, wurde mehrfach geäußert. Einig waren sich die Anwohner auch darin, dass der Leipziger Norden nicht weiter die „Lärm-Müllkippe“ der Stadt sein dürfe. Der Handlungsbedarf sei offensichtlich.
 

Der nächste Schritt: Workshops vor Ort

Der Abend bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, in denen Anwohnerinnen und Anwohner aus den Ortsteilen Wahren, Möckern, Gohlis, Eutritzsch und Nordvorstadt gemeinsam einen Handlungskatalog für ruhigere Wohnviertel erarbeiten werden. Bei den Workshops wird es auch um die Frage gehen, welche verkehrsplanerischen Maßnahmen innerhalb des Projektgebiets die Anwohnerinnen und Anwohner befürworten.

 

Ortsteil-Workshop Möckern/ Wahren

Sternsiedlung, Stahmelner Straße und Georg-Schumann-Straße – hier konzentrieren sich die Lärmprobleme. Betroffen sind u.a. aber auch die Slevogtstraße, sowie die Hans-Beimler-, Friedrich-Bosse- und die Bucksdorffstraße. Eine massive Lärmbelastung stellt zudem der Schienenlärm am Güterring Nord und entlang des Viadukts dar.

Zu den Lösungsvorschlägen der Workshop-Teilnehmer zählten die Verlängerung von Lärmschutzwänden, Tempobeschränkungen und Geschwindigkeitskontrollen, eine verbesserte Straßenbeschilderung sowie die Legalisierung des Parkens am Straßenrand.

Weitere Ergebnisse:

Ortsteil-Workshop Gohlis-Nord/ Gohlis-Mitte

Der Bahnhof Gohlis und der Coppiplatz, die Franz-Mehring-Straße, die Landsberger und die Virchowstraße sowie der Viertelsweg wurden von den Teilnehmern des Workshops als verlärmte Zonen beschrieben.

Schleichverkehr belastet besonders die Hans-Oster-Straße. Die lärmgeplagten Anwohner befürworten eine Tempo-30-Zone und eine veränderte Einmündung der Landsberger Straße. Gegen die störende Brems- und Anfahrgeräusche der S-Bahn an der Haltestelle Coppiplatz sowie am Bahnhof Gohlis schlugen die Bürger leisere Bremsen vor. Als Maßnahme gegen das laute Quitschen der Straßenbahn am Coppiplatz regten Anwohner das Schmieren der Gleise im Kurvenbereich an. Außerdem wünschen sie sich anstelle der lauten Tatra-Wagen den Einsatz von Niederflurbahnen in der Nacht.

Als langfristiges Ziel benannten die Bürger den Umbau der Georg-Schumann-Straße zu einer lebendigen Geschäftsstraße. Eine sofort umsetzbare Maßnahme, so der Vorschlag, wären Parkmarkierungen am Fahrbahnrand.

Weitere Ergebnisse:

Ortsteil-Workshop Gohlis-Süd/ Nordvorstadt

Als besonders lärmbelastet wurden in diesem Workshop die Georg-Schumann-Straße, Parthenstraße, Lützowstraße sowie die Möckernsche und die Berggartenstraße genannt. Die Teilnehmer wiesen auf das Problem der massiven Zunahme des Schleichverkehrs hin. Auch erhöhte Fahrgeschwindigkeiten auf Straßen und Schienen machten sie als vermeidbare Lärmquelle aus.

Zur Lösung der Lärmprobleme schlugen die Anwohner Maßnahmen zur Bündelung des Durchgangsverkehrs und Sperrungen für den Schwerlastverkehr vor. Angeregt wurden auch Tempo-30-Zonen in Wohngebieten, Blitzer sowie das Einrichten von Fußgängerüberwegen und Radfahrstreifen.

Weitere Ergebnisse:

Ortsteil-Workshop Eutritzsch

In Eutritzsch sind aus Sicht der Workshop-Teilnehmer die Theresienstraße, die Wittenberger und die Max-Liebermann-Straße vom Problem des Verkehrslärms verstärkt betroffen.

Auf der Max-Liebermann-Straße führen Geschwindigkeitsüberschreitungen zu einer massiven Lärmbelästigung zwischen der Essener und der Virchowstraße, weswegen eine fest installierte Geschwindigkeitsmessung angeregt wird. Die Lärmschutzwand im Kreuzungsbereich Essener Straße/ Delitzscher Straße halten Anwohner für unzureichend. Sie befürworten Erdwälle entlang des Landschaftsschutzgebietes.

Die Theresienstraße wurde  durch die Fertigstellung der Maximilianallee und Tempo 30 in der Nacht bereits spürbar entlastet. Laut ist sie dennoch – die Anwohner schlagen vor, der Mißachtung des Tempo-Limits auch hier mit verstärkten Geschwindigkeitskontrollen zu begegnen und den Durchgangsverkehr Richtung Zoo nicht wie bisher über die Theresienstraße zu leiten, sondern künftig über die Berliner Straße.

Ein weiteres Problem in Eutritzsch ist der Schienenlärm: die Lärmbelastung zwischen dem ehemaligen Quelle-Logistikzentrum und der Essener Straße hat stark zugenommen, vor allem durch den nächtlichen Güterzugverkehr. Die Deutsche Bahn wird Maßnahmen zur Lärmminderung im Bereich zwischen Dortmunder Straße und Beuthstraße umsetzen.

Themen-Workshop Straßenverkehrslärm

In einem ersten Workshop mit Anwohnern sowie Vertretern des Verkehrs- und Tiefbauamts konnten schon erste Erfolge erzielt werden.

Hans-Oster-Straße: Tempo-30-Zone

Hier beklagten die Anwohner, dass Verkehrsaufkommen und Lärmbelastung in der Hans-Oster-Straße durch den Ausbau der Max-Liebermann-Straße enorm gestiegen seien. Weitere Gründe für den erheblichen Verkehrslärm sind das Kopfsteinpflaster und die hohe Geschwindigkeit, mit der in diesem Bereich gefahren wird. In dem Workshop präsentierte die Verwaltung nun einen Lösungsweg für das Problem. Zum einen wird mit dem Umbau des Kreuzungsbereiches Max-Liebermann-Straße/Landsberger Straße die Einfahrt in die Hans-Oster-Straße unattraktiver gemacht, zum anderen wird 2012 ein Anhörungsverfahren eröffnet, mit dem Ziel die Straße in die Tempo-30-Zone einzubeziehen.

Viertelsweg: Tempo-30-Zone

Auch im nahe gelegenen Viertelsweg herrscht derzeit noch eine uneinheitliche Regelung. Mal ist dort Tempo 30, mal Tempo 50 angeordnet. Insbesondere im Bereich der Karl-Liebknecht-Grundschule besteht dadurch nicht nur ein Lärmproblem für die Anwohner sondern auch eine Gefahr für die Schüler beim Queren der Straße. Das Verkehrs- und Tiefbauamt geht auf die Sorgen der Bürger ein und verfolgt das Ziel ebenfalls im Jahre 2012 den Viertelsweg in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln.

Bretschneiderpark: Aus Autostraße wird Spielfläche

Der Bretschneiderpark wurde in der Bürgerbefragung des Ökolöwen im Leipziger Norden überraschender Weise am häufigsten als schützenswertes ruhiges Gebiet benannt. Wir hatten da eher das Rosental oder den Auwald an der Spitze gesehen. Der Park wird jedoch durch die Gottschallstraße in zwei Hälften geteilt. Im Mach's leiser-Bürgergutachten wurde die Idee entwickelt, die Straße im Bereich des Parks durch Poller zu unterbrechen und die gewonnene Fläche mit einfachen Maßnahmen als Sport- und Spielfläche umzugestalten. Diesen Vorschlag will das Verkehrs- und Tiefbauamt nun mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer abstimmen und umsetzen. Dabei sollen auch die Ergebnisse einer Initiative des GeyserHaus e.V. eingearbeitet werden. Die Finanzierung könnte sichergestellt werden, indem das Vorhaben als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau der Max-Liebermann-Straße vorgesehen wird.

Es bleibt noch viel zu tun

Für viele der aufgezeigten Lärmschwerpunkte ist noch keine schnelle Lösung in Sicht. Dazu gehört auch die Georg-Schumann-Straße. Im Lärmaktionsplan spricht man von einem Beginn der Sanierung in 4 bis 7 Jahren. Darüber wie der Umbau ausgestaltet und finanziert werden soll gibt es wohl noch Streit zwischen der Stadt und dem Fördermittelgeber. Eine weitere Verschiebung des Baubeginns ist damit nicht unwahrscheinlich. Im Entwurf des Lärmaktionsplans der Stadt Leipzig sind hingegen mehrere meterhohe Schallschutzwände vorgesehen. Auch im Straßenzug Berggarten-, Möckernsche-, Kirschbergstraße sowie in der Stahmelner Straße konnte vorerst keine Einigung erzielt werden.

Weitere Ergebnisse:

Themen-Workshop Deutsche Bahn AG

Herr Dr. Rolf Geßner, Leiter Schall- und Erschütterungsschutz im Umweltinformationszentrum Berlin stellte die innovativen Lärmschutzverfahren vor, die noch in diesem Jahr mit den Mitteln des Konjunkturpakets II  umgesetzt werden. Es kämen auf ca. 13,5 km Gleislänge vorrangig Schienenstegbedämpfer zum Einsatz. Erwartet würde je nach der spezifischen Situation vor Ort eine Lärmminderung von 1,5 bis 4 dB(A).

Güterring Nord

Herr Dr. Geßner informierte über getätigte und laufende Lärmsanierungsmaßnahmen. Hierbei kämen jedoch lediglich Immissionsgrenzwerte von 70dB(A) am Tag und 60dB(A) in der Nacht zum Tragen. Es sei zeitnah zu klären, wo eine „wesentliche Änderung“ stattfindet, so dass der Lärmschutz nach 16. BImSchV. (Lärmvorsorge 59/49 dB(A)) erfolgen müsse. Die Anwohner fordern eine frühzeitige Beteiligung am etwaigen Planfeststellungsverfahren zu dieser Strecke sowie die Aufnahme in den Lärmaktionsplan der Stadt Leipzig.

Bahnhof Gohlis

Das Grundproblem seien fehlende Schallschutzwände. Diese seien nur im Bereich der Brücken eingerichtet worden, dazwischen jedoch nicht. Die Anwohner fordern die Verlängerung der Schallschutzwände zwischen den Brücken Sassstraße und Lützowstraße im Rahmen eines Lärmsanierungsprogramms. Desweiteren müssen die Fahrer der S-Bahn sensibilisiert werden, den Motor der Lok während der Aufenthaltszeit im Bahnhof Gohlis herunterzufahren.

Weitere Ergebnisse und Folien des Vortrags:

Themen-Workshop Leipziger Verkehrsbetriebe

Mit Frau Körner (Umweltbeauftragte) und Herr Zierold (Sachverständiger Anlagentechnik) stellten sich zwei kompetente Vertreter der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) der Diskussion. Sie konnten eingangs deutlich machen, dass sich die LVB bereits für den Lärmschutz in ihrem Verantwortungsbereich einsetze. So würde bei Neuanschaffungen angestrebt, dass die Fahrzeuge die allgemeinen Lärmgrenzwerte deutlich unterschritten. Im Zuge des Neubaus oder der grundhaften Sanierung von Gleissträngen würde seit 2007 eine Lärmvorsorge nach neustem Stand der Technik vorgenommen. Dies verursache zwar durchschnittliche Mehrkosten von etwa 20 Prozent, werde unternehmensintern jedoch als zwingend notwendig angesehen. Darüber hinaus haben sich Bürger und LVB auf konkrete Maßnahmen geeinigt, um die Lärmbelastung zu mindern.

Leisere Wagen auf Linie 4

Teilnehmer des Bürgergutachtens hatten den Einsatz lauter Tatra-Wagen auf der Linie 4 bemängelt. Laut LVB, wäre die Hauptuntersuchung (HU) von 56 Wagen der N-GT 8 Reihe eine Ursache. Die Wagen müssten komplett zerlegt werden. Die HU wäre 2013 abgeschlossen. Bis 2013 würden demnach sukzessive Tatra-Wagen auch auf der Linie 4 ersetzt.

Kurvenquitschen Coppiplatz

Dies könne mit einer Abnutzung der Gleise in diesem Berich zusammenhängen. Dies werde zeitnah geprüft und gegebenenfalls mit Hilfe eines speziellen Schweißverfahrens beseitigt.

Fahrweise in Virchow- und Lützowstraße

Es wurden überhöhte Geschwindigkeiten sowie ein rasantes Anfahren und Abbremsen im Haltestellenbereich bemängelt. Laut LVB gäbe es Fahrtenschreiber in den Straßenbahnen. Es würden Anweisungen an die Fahrer erfolgen, ihre Fahrweise anzupassen, falls die Fahrtenschreiber die Beobachtung der Bürger bestätigen 

Ansagen in Straßenbahnen

In einigen Fällen würden durch eine defekte Regulierung, völlig übersteuerte Ansagen ausgegeben. Das Service-Personal werde instruiert die Störungen umgehend zu melden, damit sie seitens der Tochter-Firma IFTEC abgestellt werden können. Die LVB wäre dankbar über weitere Hinweise von Fahrgästen und Anwohnern, die defekte Ansagen oder andere punktuelle Lärmstörungen betreffen. Dies könne über die Hotline 0341-19449 oder die Mail-Adresse info@lvb.de geschehen.

Neue Haltestellen: Kaufland und Christoph-Probst-Straße

Bürger hatten die Verlegung der Haltestelle Annaberger Straße an die Kreuzung vor Kaufland vorgeschlagen. Dies hätte viele Vorteile. Es würden z.B. mehr Menschen die Tram statt des Autos für den Einkauf nutzen. Zudem müsse eine neue Haltestelle im Bereich Probst-Straße eingerichtet werden. Laut LVB würde diese Haltestelle mit der Sanierung der Georg-Schumann-Straße eingerichtet. Da der Beginn der Sanierung noch nicht absehbar sei, fordern die Bürger eine temporäre Lösung. Der Aufwand sei laut LVB jedoch nicht zu unterschätzen.

Georg-Schumann-Straße

Wenn die Sanierung der Georg-Schumann-Straße kommt, würde die LVB beim Neubau der Gleisanlage eine Lärmvorsorge nach neustem Stand der Technik vornehmen können. Zuvor sei dies im Alleingang wirtschaftlich nicht tragbar. Erst wenn die Prioritäten zu Gunsten der Georg-Schumann-Str. verlagert und die entsprechenden Mittel dafür bereitgestellt würden, könne dies geschehen. Nach heutigem Stand wäre mit dem Beginn des Umbaus in der Georg-Schumann-Straße in etwa 5 bis 10 Jahren zu rechnen. Zum einen seien derzeit keine Eigenmittel der Stadt vorgesehen, zum anderen gebe es seitens der Fördermittelgeber auf Bundes- und Landesebene Vorbehalte einen Umbau finanziell zu unterstützen, der breite Fußwege, Seitenrandparken, eine Reduzierung der Spuren und eine abschnittsweise, gemeinsame Führung von Straßenbahn und Autoverkehr vorsieht.

Weitere Ergebnisse:

Zweiter Ortsteil-Workshop Möckern/ Wahren

Teilnehmer des Bürgergutachtens aus Möckern und Wahren trafen sich am 30. Mai 2011 zum
zweiten Ortsteil-Workshop von "Mach's leiser!". Im Mittelpunkt stand die Georg-Schumann-Straße.
Die stark befahrene Magistrale soll, so die Anregung, durch eine verbesserte Lenkung des Verkehrs
über die neue Bundesstraße 6 entlastet werden – die derzeit vorhandene Beschilderung ist aus Sicht
der Workshop-Teilnehmer unzureichend.

Die Anwohner des Viertels diskutierten darüber hinaus, wie sich die Georg-Schumann-Straße
zur "Georg-Schumann-Allee" umgestalten ließe – beispielsweise mit Hilfe von Bäumen, Bänken
und der Abmarkierung von Parkplätzen sowie einer Radspur.

Zu den weiteren Themen gehörten Geschwindigkeitsbeschränkungen für die Stahmelner Straße und
die Hans-Beimler-Straße, ein erweiterter Schallschutz für das Lärmdreieck Sternsiedlung sowie die Abschirmung des Schienenlärms am Leipziger Güterring-Nord durch das Errichten von Lärmschutz-
wänden entlang der gesamten Bahnstrecke von Wahren bis zur „Holzmüllerkurve“.

Hier die Ergebnisse dieses Workshops im Einzelnen:

Zweiter Ortsteil-Workshop Gohlis-Nord/ Gohlis-Mitte

Während des Workshops am 1. Juni 2011 diskutierten Teilnehmer aus Gohlis die bereits erstellten Maßnahmeblätter und überarbeiten sie teils. Im Einzelnen ging es beispielsweise um Möglichkeiten
zur Reduzierung des Lärms von Straßen- und S-Bahnen am Coppiplatz bzw. am Bahnhof Gohlis.

Straßenbahnlärm stellt auch in der Lützowstraße eine Belastung dar. Als Ursache nennen die Anwohner
das überhöhte Tempo der Straßenbahnen. Von der Forderung einer Geschwindigkeitsbeschränkung
rückten die Workshop-Teilnehmer im Verlauf dieses Arbeitstreffens ab. Entscheidender, so die Einschätzung, ist das Schleifen der Gleise und der Räder. Besonders dringlich: ein Rasengleis
im Bereich Virchowstraße, das den Schienenlärm der Straßenbahn erheblich eindämmen würde . 

Ein weiteres Thema war die angestrebte Umsetzung einer Tempo-30-Zone in der Hans-Oster-Straße
sowie im Viertelsweg.

Lesen Sie hier die Ergebnisse dieses Workshops:

Zweiter Ortsteil-Workshop Gohlis-Süd/ Nordvorstadt

Die Teilnehmer aus dem südlichen Gohlis und der Nordvorstadt trafen sich am 6. Juni 2011 zum zweiten
Mal und ergänzten ihre bis dahin erarbeiteten Vorschläge. Darüber hinaus einigten sie sich auf weitere
Ansätze zur Lärmminderung vor Ort. Unter den neuen Maßnahmeblättern findet sich etwa auch die
Darstellung von Querungshilfen im Bereich zwischen der Friedenskirche und dem Anker.

Während des Workshops entstand außerdem die Anregung, eine durchgehende Radwege-verbindung entlang der S-Bahn-Strecke einzurichten – von der Kirschbergstraße bis zur
Westseite des Hauptbahnhofs.

Die Ergebnisse dieses Workshops im Einzelnen: 

Zweiter Ortsteil-Workshop Eutritzsch

Den Abschluss der zweiten Runde der Ortsteil-Workshops bildete am 7. Juli 2011 das Arbeitstreffen
in Eutritzsch. Die Teilnehmer griffen den Vorschlag aus dem vorangegangenen Workshop auf, einen
neuen Radweg entlang des S-Bahn-Bogens einzurichten. Sie konkretisierten den Verlauf der Strecke,
für die auf einigen Abschnitten bereits eine Verbindung besteht, und hielten fest, an welchen Stellen
ein Lückenschluss erfolgen müsste.

Weiteres Thema dieses Workshops war die Notwendigkeit zusätzlicher Querungshilfen auf der Wittenberger Straße. Der zentrale Geschäftsbereich in Eutritzsch, zwischen Schiebe- und Delitzscher Straße, sollte für Anwohner des benachbarten Wohngebiets durch das Einrichten von Querungshilfen und einer Tempo-30-Streckengeschwindigkeit leichter zugänglich gemacht werden.

Außerdem ging es um den Schwerlastverkehr in der Dessauer Straße. Das Problem: Ortsfremde LKW-Fahrer werden von ihren Navigations-Geräten durch den engen Abschnitt zwischen der Hartz- und der Hamburger Straße gelenkt. Die Lösung: Verbotsschilder für LKW. Das von den Fahrern angesteuerte Gewerbegebiet müsste aus nordöstlicher Richtung ausschließlich über die Berliner Straße und die Hartz- bzw. Hohmann-
straße erschlossen werden. Ohne eine Benachteiligung der Gewerbebetriebe würden auf diese Weise Anwohner der Theresienstraße, der Dessauer und der Hamburger Straße von der Lärmbelastung durch
den Schwerlastverkehr befreit.

Diese und andere Ergebnisse des Workshops können Sie hier nachlesen:

Maßnahmenkatalog Mach's leiser 2010/12

In zahlreichen Workshops vor Ort haben Bürgerinnen und Bürger aus dem Leipziger Norden einen Maßnahmenkatalog erstellt. Das Ziel dieser Maßnahmen: lebenswertere Wohngebiete und Stadtviertel.

Der Maßnahmenkatalog ist das Ergebnis des Bürgergutachtens, an dem sich im Rahmen von "Mach's leiser" viele engagierte Anwohnerinnen und Anwohner beteiligt haben. Gemeinsam und im Austausch mit Fachleuten haben sie eine Reihe von Ansätzen erarbeitet, um die Lärmbelastung im Projektgebiet von "Mach's leiser!" zu reduzieren.
Am 7. Juli 2011 präsentierten die Teilnehmenden des Bürgergutachtens ihre Vorschläge der Öffentlichkeit. 

Der Maßnahmenkatalog richtet sich an unterschiedliche Akteure und Akteursgruppen, darunter die Stadt, die Leipziger Verkehrsbetriebe und die Deutsche Bahn sowie Wohnungsbaugesellschaften und Hauseigentümer.

Ob Tempo-30-Zonen, Erholungs- und Spielflächen, eine veränderte und vor allem gebündelte Lenkung des Straßenverkehrs, Abmarkierungen für Radspuren und Parkplätze, Querungshilfen für Fußgänger, Rasengleise,
der Ausbau von Lärmschutzwänden oder ein neuer, durchgehender Radweg, der den Leipziger Norden ohne Lücken mit der Innenstadt verbindet – der Maßnahmenkatalog von "Mach's leiser!" zeigt eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten auf. 

Welche ganz konkreten Maßnahmen gegen Lärm die Teilnehmenden des Bürgergutachtens vorschlagen,
können Sie beim Blättern durch die Bildergalerie unten sehen oder auch an dieser Stelle nachlesen:

Machs-leiser-Massnahmenkatalog.pdf

 

 

Abschlussbericht

Der gesamte Prozess inklusive Maßnahmenkatalog des ersten "Mach's leiser" Projekts im Leipziger Norden ist in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Der Abschlussbericht steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.